Zum vierten Mal fand das Agility-Welt-Cup-Finale statt und in diesem Jahr wurde es  in Nüziders (A), einem kleinen Grenzort im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Österreich ausgetragen. Sicherlich war dieser Ort im Nordwesten Österreichs "bewußt" gewählt, denn die teilnehmenden Nationen kamen nicht nur aus den angrenzenden Ländern Schweiz, Deutschland und dem eigenen Land, sondern auch aus Belgien und Luxemburg. Viele Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen bereits zum Samstag anzureisen, um auch am ausgeschriebenen "Sonnenbergpokal-Turnier" teilzunehmen. Auch diese Veranstaltung versprach durch das international besetzte Starterfeld ein hochkarätiger sportlicher Wettkampf zu werden. Selbst die "Vorarlberger Nachrichten" kündigten dieses Ereignis als "Hundesport vom Feinsten" in der Tagespresse an.
Ein Agility Wochenende der Superlative
Manche Teilnehmer reisten schon am Freitag nach Nüziders, denn sie hatten etliche hundert Kilometer zurück zulegen und wollten sich trotzdem noch in aller Ruhe auf den anstrengenden Turniertag vorbereiten. Der Turnierveranstalter hatte mehrere Hotels angegeben, die auch hundefreundlich eingestellt sind, so daß eine freundliche Atmosphäre für die Teams gewährleistet war. Lange schlafen war allerdings nicht möglich, denn die Turnierleitung hatte einen straffen Tagesplan vorgegeben. Bereits um 7.00 Uhr in der Frühe war die Meldestelle geöffnet. 148 gemeldete Teams mußten sich dort anmelden, um ihre Startnummer entgegen zu nehmen und ihre Leistungskarten abzugeben, in die die Prüfungsläufe eingetragen wurden.
Aufgrund des großen Starterfeldes wurden "zwei Ringe" abgesteckt. Ähnlich wie bei Hundeausstellungen wird die sogenannte Aktionsfläche mit einem Plastikband abgegrenzt bzw. eingezäunt. Im Ring selbst darf sich nur der zum Prüfungslauf aufgerufene Hundeführer mit seinem Hund aufhalten sowie der Leistungsrichter und Parcourshelfer, die gefallene Hürdenstangen wieder auflegen oder sonstige Hindernisse wie Tunnel wieder in die genaue Ausgangsposition zurück legen..
Der sportliche Wettkampftag begann im ersten Ring mit einen Spiel, dem sogenannten "Gambler". Für dieses Spiel wird ein kompletter Parcours, inklusive Kontaktzonen und Slalom aufgebaut. Die Hundeführer bestimmen den Weg des Parcoursverlauf selber und erhalten für jedes Hindernis, je nach Schwierigkeitsgrad, unterschiedlich viele Punkte. Für die Parcoursbewältigung steht ihnen jedoch nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung und es gilt zum Schluß eine bestimmte Reihenfolge an Hindernissen zu bewältigen, um eine Bonuspunktzahl zu erreichen. Erfahrene Hundeführer haben weniger Interesse ein solches Spiel zu gewinnen, vielmehr sehen sie die Möglichkeit Problemhindernisse kurz vor dem eigentlichen Prüfungslauf unter Wettkampfbedingungen zu trainieren. Das sind in der Regel die Kontaktzonengeräte. Nach dem Spiel ging es in diesem Ring weiter mit dem Jumping. Zeitgleich fanden im zweiten Ring die Prüfungsläufe A3/A1/A2 statt.
Alle Starter mußten "höllisch aufpassen", da das gesamte Starterfeld immer in Gruppen zur Parcoursbesichtigung eingeteilt war, je nach Leistungsgruppe und Mini/Maxi getrennt. Aber die jeweiligen "Nummerngruppen" waren zusätzlich im Programmheft mit den Zeitangaben angegeben.
Das Programmheft war so mit das wichtigste Utensil an diesem Tag, damit man seinen eigenen Start nicht verpaßte.
Ein WM-Teilnehmer aus Luxemburg gewinnt den Sonnenbergpokal
Am Vormittag ereignete sich leider noch ein schwerer Hundeunfall. Dieser Hund der sehr schnell in den Sacktunnel hineinschoß, rutschte mit einer Pfote in ein Metallband am Tunnelkorpus und konnte sich nicht selbst befreien. Auch der Hundeführer und zahlreiche Helfer, die sofort zur Stelle waren, den Stoffsack aufrissen um an das Tier zu kommen, konnten ihn erst mit Hilfe eines Schraubenziehers aus seiner mißlichen Lage befreien. Völlig fremde Menschen waren den Tränen nahe, weil das Tier doch einige Minuten unter Schmerzen wimmernd in seiner mißlichen Lage ausharren mußte. Zum Glück geschehen Unfälle in dieser Sportart für Hund und Mensch sehr sehr selten und es bleibt für diesen Hund zu hoffen, daß er dieses schreckliche Erlebnis sehr schnell vergißt.
Am späten Nachmittag gab es erneute A-Läufe für den Kombinationswettbewerb (A-Lauf und Jumping ergeben zusammen das Endresultat) um den "Sonnenbergpokal". Zahlreiche hochqualifizierte Teams aus dem In- und Ausland hatten für diesen Wettbewerb gemeldet und somit gab es dann auch zahlreiche schnelle fehlerfreie Läufe zu bejubeln. Der Gewinner des Sonnenbergpokals heißt Hinky Nickels, ein sehr ruhiger und sympathischer Agility-Sportler aus Luxemburg. Er führt eine recht kleine zierliche Border Collie Hündin aus deutscher Zucht "Candy say Quick vom Gerauerland". Sie hat ihre sportliche Größe bereits auf vielen Turnieren unter Beweis gestellt und startet in diesem Jahr für Luxemburg bei der Weltmeisterschaft. Auch aus deutscher Sicht war diese Veranstaltung durchaus erfolgreich. Yvonne Hanl startete mit ihrem erst zweieinhalbjährigen Border Collie Rüden "Nepomuk vom Birkenhof" zum ersten Mal in internationaler Konkurrenz und errang in der Gesamtwertung einen hervorragenden dritten Rang. Damit hatten "Yvonne und Nepomuk" eine eindrucksvolle Visitenkarte für das Welt-Cup-Finale am kommenden Tag abgegeben. In der Mini-Kategorie dominierten wie so oft auf den ersten Rängen die Shelties. Aus deutscher Sicht war auch hier erfreuliche, daß Johanna Stier mit ihrer jungen Sheltie-Hündin "Tamilay v.d. Garnicher Eichen" den dritten Rang belegen konnte.

Auch Sportler aus Nationalmannschaften des In- und Auslandes gingen an den Start.
Am Sonntag, den 19. September, war es dann soweit. 85 gemeldete Teams der Mini und Maxi Klasse fanden sich ab 8.00 Uhr an der Meldestelle ein. Gegen kurz vor neun begann das Finale mit dem Jumping-Lauf in der Mini-Kategorie. Lothario Romagoni, ein deutscher WM-Teilnehmer, legte mit seinem Koikerhundje "Angelo Dasty v. Chicostein" einen fehlerfreien Lauf in absoluter Bestzeit auf den Parcours und hatte somit einen soliden Grundstein für den A-Lauf gelegt. Auch die deutsche Teilnehmerin Heidi Zahn mit ihrem Mix "Pai" hatte mit der sechsbesten Jumping-Zeit noch gute Aussichten auf eine aussichtsreiche Plazierung im Gesamtklassement. Der Parcours war durchaus schnell und rund gestellt, dennoch hatte der Richter so manche "Verführung" in den Parcoursverlauf eingebaut.
Im direkten Anschluß startete das Maxi-Starterfeld. Auch den großen, schnellen Hunden kam der flüssig gestellte Parcours sehr entgegen und absolute Spitzenzeiten konnten erreicht werden. Nach einem sagenhaften fehlerfreien Lauf in 24,5 Sekunden übernahm Guy Blancke aus Belgien mit seiner Groenendal Hündin "Unja d'aljepalo" die Führung im Starterfeld. Eine hervorragende Ausgangsposition hatte sich auch an diesem Tag Yvonne Hanl mit "Nepomuk v. Birkenhof" erarbeitet. Sie lag als beste deutsche Teilnehmerin auf Platz sieben. Aber auch der deutsche Starter Thomas Seitz mit seinem Mix "Aika" lag nach einem guten Jumping-Lauf noch aussichtsreich im Rennen, wie auch Günther Braß mit seiner Tervueren-Hündin "Gipsy v. Eickenberg".
Nach einer kurzen Umbauphase ging es nun in die A-Läufe. Nun starteten zuerst die Maxi-Hunde in umgekehrter Reihenfolge ihrer Plazierung im Jumping. Das bedeutet, das führende Team startet zum Schluß.
Der Parcours war gespickt mit Verführungen an sehr eng zu führenden Kombinationen. Nach dem Steg folgte eine kleine parallel aufgebaute Sprungkombination die für den Hund auf dem Rückweg noch einmal mit Blick und sehr kurzer Wegstrecke auf dem Steg endete. Hier trennte sich so mancher Weg für Hund und -führer. Hatte man diese Klippe überwunden ging es in den Slalom, danach im rechten Winkel über einen Sprung. An dieser Stelle "lauerte" die nächste Verführung auf den Hund: links der Reifen aus der Anfangssprungbahn und rechts wieder der Stegaufgang. Als Hundeführer konnte man mit seinem Körper natürlich nur eine Verführung "abdecken" und von der anderen mußte man seinen Hund verbal fernhalten. Folglich wurde es an dieser Stelle im Parcours meist "recht laut". War auch diese Stelle gemeistert, ging es durch den Stofftunnel leicht Schräg auf die A-Wand zu. Als Hundeführer hatte man jedoch keine Verschnaufpause. Nach dem Wandabgang lockte geradeaus der feste Tunnel; es sollte jedoch scharf links über einen Sprung weitergehen, danach ging es über eine zweite parallel gestellte Sprungkombination, auf die Wippe und dann erst durch den Tunnel. Als Hundeführer hatte man sehr viel zu bedenken und zahlreiche Gesprächsgruppen diskutierten, wie man wo führen soll und auf welche Gefahren es gilt besonders zu achten und einzuwirken.

Spannende Athmosphäre bis zum letzten Starter.
Aus der anfänglichen Ruhe baute sich langsam Spannung auf, als es an die Starter ging, die den Jumping-Lauf fehlerfrei bewältigen konnten. Denn nur wer beide Umläufe fehlerfrei absolviert, hatte eine Chance in der Kombinationswertung ganz vorne plaziert zu sein. Mit der Spannung kam auch richtig Stimmung auf. Jedes Landesteam fieberte mit seinen jeweiligen Startern um ein gutes Ergebnis und versuchte sie förmlich in der Schlußphase des Parcours über die Hürden heimwärts anzufeuern. Aber auch unter den Konkurrenten wurden hervorragende Läufe bejubelt und mit Applaus bedacht. Die Spannung war fast zum zerreißen, als die letzten aus der Spitzengruppe an den Start gingen. Als "Nepomuk v. Birkenhof" von seiner Hundeführerin Yvonne Hanl an den Start geführt wurde, waren die deutschen Teilnehmer alle sehr aufgeregt, es waren schon viele gute Teams bis dahin disqualifiziert worden und bei einem fehlerfreien Lauf konnten die zwei ganz vorne plaziert sein. Die ersten Hürden waren genommen, "Nepomuk" wurde sicher an den "Verführungen" vorbeigelenkt. Die Kontaktzonen waren alle fehlerfrei genommen und es waren noch drei Sprünge bis ins Ziel. Das Kommando "vor" kam von seiner Hundeführerin und "Nepomuk" schoß gerade voraus, anstatt eine leicht nach rechts versetzte Hürde zu überspringen. Alles schrie auf und war entsetzt! Der führende aus dem Jumping-Lauf Guy Blancke ging als letzter an den Start und eine gewisse Nervosität war ihm anzumerken. Wer ihn und seine "Unja" kennt, weiß wieviel Raum dieses Team für eine fehlerfreie Parcoursbewältigung braucht. Dieser Parcours schien nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten zu sein, da er teils sehr enge Passagen aufzubieten hatte. An den entsprechenden Verführungen im Parcours raunte die Menge leise auf, jeder Sportler, egal welcher Nation er angehörte, fieberte mit. Als die zwei ins Ziel kamen jubelte die Menge und freute sich für dieses sympathische Team, denn bei einer so großen Führdistanz zwischen Hund und Führer liegen Erfolg und Disqualifikation sehr nah beieinander. Für "Guy und Unja" war dies eine sehr gelungene Generalprobe zur WM, bei der sie für Belgien an den Start gehen werden. Von den deutschen Starter konnten sich Thomas Seitz mit "Aika" auf Rang 4 und Günther Braß mit seiner "Gipsy" auf Rang 9 des Gesamtklassements plazieren.
Nach diesem spannenden Endkampf wurden die Hindernisse auf die Mini-Höhe abgesenkt und auch hier baute sich im Verlauf des Wettbewerbs unerhörte Spannung auf. Auch die Mini-Hunde hatten so ihre Schwierigkeiten mit den zahlreichen Verführungen im Parcours und auch hier gab es zahlreiche Favoritenstürze zu vermerken. Allen voran der führende des Starterfeldes Lothario Romagnoni. Auch sein Hund "Angelo" wählte den falschen Weg im Parcours und wurde disqualifiziert. Die Kombinationswertung entschied für sich Ronny Sturzenegger mit seinem Schipperke "Apollo". Zwei schnelle fehlerfreie Läufe brachten ihn auf Rang 1 vor Ides Van Hegne mit seinem Sheltie "Prince".
Nach der anschließenden Siegerehrung mit Präsenten für alle Teilnehmer machten sich bereits viele Teilnehmer auf den Heimweg, andere blieben noch eine Nacht um am nächsten Morgen die lange Heimreise anzutreten. Sicherlich wird man einige der Sportler auf der Weltmeisterschaft vom 1. bis 3. Oktober in Dortmund wieder sehen und es bleibt zu wünschen, daß sie dann dort den gewünschten Erfolg verbuchen können.
 

         Abdruck mit Genehmigung durch das "Deutsche Hunde Magazin", erschienen in 12/99